Mit der Freigabe der „alten Messe“ tritt die Liturgiereform der katholischen Kirche in ein neues Stadium
Aktuelles:
Das "Benediktinische Arrangement"
Beim Papstbesuch in England:
Der Kanon auf Latein
7. 9. 2010
Bei dem bevorstehenden Besuch des hl. Vaters in Großbritannien wird Papst Benedikt bei sämtlichen Messfeiern den gesamten Kanon in lateinischer Sprache beten. Das ist einem Interview der schottischen Tageszeitung The Herald mit Msgr. Guido Marini zu entnehmen, das dort zum Wochenende veröffentlicht wurde und in einer (inhaltlich sehr schlechten) Zusammenfassung auch im Internet präsentiert wird.
Mit dieser Ankündigung reagiert das Amt für die Zeremonien des hl. Vaters auch auf das unwürdige Gezerre einiger englischer und schottischer Würdenträger um die Form der Liturgiefeiern, bei dem es teils darum ging, den Papst möglichst demonstrativ mit Messdienerinnen und Lektorinnen zu zu umgeben (Quelle) oder zumindest durch den Altaraufbau die Ablehnung des liturgischen Vorbilds päpstlicher Messfeiern zu demonstrieren (Quelle).
Bischof Aillet bei einer Priesterweihe für das IBP
Bayonne: Wiedereröffnung
des Priesterseminars
im Geist der Tradition
6. 9. 2010
Bischof Marc Aillet von Bayonne, seit 2 Jahren Bischof dieser Diözese und vorher Generalvikar im traditionsfreundlichen Bistum Toulon, wird das von über 10 Jahren geschlossene Priesterseminar seiner Diözese nach einer Meldung von missainlatino.it am kommenden Samstag wiedereröffnen. Es soll zunächst 5 Seminaristen aufnehmen. Einige weitere junge Männer beginnen dort in diesen Tagen ein Propädeuticum, das ihnen die Möglichkeit bieten soll, ihre Berufung weiter zu erkunden.
Nach der offiziellen Mitteilung auf der Website der Diözese wird das Seminar im Geiste der Neuevangelisation besonderen Wert darauf legen, die Seminaristen im Geiste einer besonderen Beziehung zu Christus auszubilden, dazu gehört auch die Liturgie des Stundengebetes und eine Einübung in die Praxis des Schweigens. Es wird die gesamte Tradition der Kirche im Sinne einer Hermeneutik der Einheit pflegen und dazu beitragen, den Schatz der überlieferten römischen Liturgie neu zu entdecken.
Das Institut wird auch Fortbildungsveranstaltungen für die Priester der Diözese veranstalten und Seminaristen aus aller Welt aufnehmen.
Fr. George Rutler bei der Predigt
Aktiengesellschaften, CocaCola und die Liturgiereform
4. 9. 2010
In den englischsprachigen Ländern gibt es derzeit heftige Kämpfe um die neue Übersetzung des Missales, die Rom in diesem Sommer approbiert hat. Die bisherige Fassung, die mit der Liturgiereform eingeführt worden war, ist in betont legerer Sprache gehalten, noch deutlich umgangssprachlicher als die deutsche Version – die neue Fassung geht wieder in Richtung Sakralsprache, nicht ganz wie der Schott, aber doch in diese Richtung.
Die Progressiven, die seinerzeit die (damals) neue Fassung nicht schnell genug einführen konnten, schreien nun Zeter- und Mordio. Über ein Jahrzehnt lang haben sie die Approbierung der revidierten Übersetzung verhindert, jetzt kündigen sie an, es werde wohl viele Jahre der pastoralen Vorbereitung und Begleitung brauchen, bis die neue Version in den Gemeinden eingeführt werden könne – wenn überhaupt.
Fr. George Rutler, einer der profiliertesten Sprecher der „Reform-der-Reform“-Bewegung, hat in der Zeitschrift „First Things“ Stellung zu dieser Auseinandersetzung bezogen und dabei auch die gesamte Liturgiereform Pauls VI. sehr kritisch beleuchtet. Leseprobe:
Aktiengesellschaften sind ihren Aktionären mehr verpflichtet als mit Steuern unterhaltene Bürokratien der Öffentlichkeit – das mag erklären, daß Ford seinerzeit nur zwei Jahre brauchte, um das (Pleitemodell) „Edsel“aufzugeben, und es auch bei Coca Cola nicht wesentlich länger dauerte, seine Marke „Classic“ wiederherzustellen. Die katholische Kirche hat demgegenüber eine Dürrezeit von mehr als einer Generation gebraucht, um auch nur zu versuchen, die Fehler überhitzter Liturgiewissenschaftler zurecht zu rücken. Statt in den strahlenden Aufgang des Age of Aquarius geht es jetzt freilich in Richtung Abenddämmerung und Altersheim, und von den cleveren jungen Leuten, die nun überall mit neuen Weisheiten von Fortescue und Ratzinger geradezu aus dem Boden sprießen, weiß man noch nicht so genau, ob sie zu den Klageweibern einer verlorenen Kultur werden – oder den Vorboten eines neuen Goldenen Zeitalters.
Wir haben den ganzen Artikel für Sie übersetzt. Das englische Original finden Sie auf First Things.
Bild aus Ried von der Website des Kapuzinerordens
Der Letzte macht
das Licht aus
3. 9. 2010
Mit diesem Sommer endet nach 366 Jahren die Präsenz der Kapuziner im österreichischen Ried: Das letzte Kloster der Kapuziner in Oberösterreich schließt wegen Überalterung der Brüder und fehlendem Nachwuchs. Eine Wiederbesiedlung durch andere Gemeinschaften oder die Diözese erscheint wegen fehlender geistlicher Berufungen unwahrscheinlich; vorerst übernimmt ein gemeinnütziger Verein die Erhaltung der Baulichkeiten. Das Angebot der in Lehre und Liturgie der Tradition der Kirche verpflichteten Franziskaner der Immaculata zur Übernahme des Hauses wurde abgelehnt, wie der österreichischen Zeitung Die Presse zu entnehmen ist:
Aber nicht jeder ist dem hiesigen Kirchenvolk willkommen: der Einzug der erzkonservativen Franziskaner der Immakulata, die Messen nach dem Alten Ritus feiern und Geschiedenen die Kommunion verweigern, scheint vom Tisch zu sein. Die Diözese habe bereits abgewinkt. In Ried, so hört man, ist man froh darüber. (...)
(Dazu) sagt Guardian Pater Helmuth, der das Kloster leitet und neben seinem Mitbruder am langen Refektoriumstisch Platz nimmt: „Der Lefèbre ist ein gefährlicher Typ. Da hat die Toleranz bei mir ein Ende.“ Es sei ein Fehler gewesen, dass Anfang des vergangenen Jahres die Lefèbre-Bischöfe und ihre Piusbruderschaft, darunter Holocaust-Leugner Richard Williamson, in die katholische Kirche zurückgeholt wurden, urteilt der 73-Jährige. Das von der Kirchenleitung vertretene Gottes- und Menschenbild müsse zudem verändert werden, findet er: „Die Menschen können mit einer ,Führe mich aus dem Kerker'-Lehre nichts mehr anfangen. Da muss man neue Wege finden.“
Und so bleibt es also dabei: Der Letzte macht das Licht aus. Den ganzen traurigen Artikel von Die Presse finden Sie hier.
Video der Petrusbruderschaft will Berufungen ansprechen
2. 9. 2010
Die Petrusbruderschaft in den USA hat ein halbstündiges Video herausgebracht, mit dem sie Männer ansprechen will, die eine Berufung zum Priestertum erkunden. Das Video unter dem Titel: Zu Gott, der mich erfreut von Jugend an informiert in sehr grundlegender Weise über die Besonderheiten des Auftrags der Bruderschaft und über die Ausbildung und das Leben in ihrem Seminar in Denton, Nebraska.
Auf dem FSSP-Kanal in Youtube ist das ganze Video in drei Abschnitten zu sehen. Wir wissen nicht, ob ein Versand der DVD nach Europa möglich ist - aber vielleicht übernimmt die deutsche Petrusbruderschaft ein paar der Scheiben, um sie auch hier leicht zugänglich zu machen.
Eine neue Quelle für Nachrichten aus Rom
31. 8. 2010
The Remnant, jene der Piusbruderschaft nahestehende Wochenzeitung aus den USA, deren Artikel wir auch schon gelegentlich zitiert und übersetzt haben, hat ab jetzt eine ständige Korrespondentin in Rom. Hilary White heißt die Dame, und ausweislich eines langen Interviews mit ihr, das The Remnant vor 3 Wochen in seiner Druckausgabe veröffentlichte, hat sie einen ganz hervorragenden Überblick darüber, wie die Weltkirche von Rom aus betrachtet aussieht. Nun ist der lange Text auch auf Rorate Cæli erschienen - hier ein kleiner Ausschnitt zur Wirkung von Summorum Pontificum:
Ich denke, das Motu Proprio ist nur ein Ausdruck des „Ratzinger Effektes“, der aus der Persönlichkeit Benedikts hervorgeht. Man kann das an vielen kleinen Dingen beobachten: Da gibt es Kardinäle, die haben ihre ganze Karriere unter Papst Johannes Paul II. lang Wohlfühl-Ökumene praktiziert - und nun entdecken sie plötzlich ihr konservatives Herz. Bischöfe, die sich vor zehn Jahren noch lieber einen Arm abgenagt hätten, erlauben großzügig die Feier der alten Messe (obwohl, wie wir alle wissen, eine solche Erlaubnis gar nicht erforderlich ist) und ermutigen Laienintiativen (oder behindern sie zumindest nicht länger) zur Eucharistischen Anbetung ebenso wie zum Kampf gegen die Armut. Es ist einfach wahr, daß die Kirche, wie jede menschliche Einrichtung, von Oben nach Unten funktioniert. Demokratie mag eine feine Sache sein, aber die Realität ist monarchisch und hierarchisch, und einen Anführer nennt man genau deshalb so, weil er anführt. (...)
Benedikt schwimmt in einem Haifischbecken. Es sind alternde Haifische, aber viele von ihnen haben immer noch die meisten ihrer Zähne. Er findet starke Unterstützung in einigen Dikasterien, insbesondere bei der Glaubens- und der Gottesdienstkongregation. In seinem Staatssekretariat, und dazu gehört auch die Öffentlichkeitsarbeit, herrscht das Chaos, dort zieht nach wie vor Sodano die Fäden. Auch ein großer Teil des italienischen Episkopats ist gegen ihn, aber da hat er mit Bascagno einen recht guten Mann eingesetzt..."
Hier finden Sie das ganze Interview, das auch da lesenswert ist, wo es die Dinge vielleicht ein wenig zu pessimistisch beurteilt.
Erzbischof Taveira beim Einzug
Und noch einmal:
Pontifikalamt in Brasilien
27. 8. 2010
Jahrelang war das Riesenland in Südamerika ein weißer Fleck auf der Karte unserer Aufmerksamkeit, und das nicht ohne Grund: Außer den Aktivitäten des Instituts vom Guten Hirten gab es in Sachen überlieferte Liturgie wenig zu melden.
Das scheint sich jetzt zu ändern. Kurz nach dem Pontifikalamt mit Bischof Guimarães, das wir am 24. meldeten, erfahren wir von einem Pontifikalamt, das der Bischof von Belem, Msgr. Alberto Taveira, am 21. 8. im Rahmen einer Liturgie-Konferenz an seinem Bischofssitz zelebrierte. Bilder und Berichte gibt es auf TNLM und dem brasilianischen Blog Sal e Luz.
Weit ausgebreitete Arme beim Kanon
Neue „alte“ Karmeliten in Brasilien
26. 8. 2010
In Atibaya in der brasilianischen Diözese Braganca Paulista im Bundesstaat Sao Paolo besteht, wie uns erst jetzt bekannt wird, bereits seit Ende letzten Jahres ein Kloster von Karmeliten-Eremiten, das sein Leben an der alten Ordnung der Karmeliten ausrichtet und auch die alte Liturgie des Ordens, einen Seitenzweig des römischen Ritus, pflegt. Wie der Prior des Klosters, Pater Tiago de Sao Jose, einem Gespräch mit Salvema Liturgia mitteilte, hatte der Orden seinen Priestern die Feier des alten Ritus 1971 verboten, weil dieser „ungeeignet für die Pfarrseelsorge“ gewesen sei.
Da wir keine Pfarreien haben, sondern in Klöstern leben, ist der alte Ritus ideal für uns. Meine priesterliche Spiritualität ist erheblich vertieft worden, seit ich seit Oktober des Vorjahres diesen Ritus zelebriere. Gleiches gilt für die anderen Brüder, in denen eine verstärkte Verinnerlichung festzustellen ist. Auch bei den Gläubigen durften wir zahlreiche geistliche Früchte feststellen."
Die Karmeliten von Atibaya, die ein Mönchs- und ein Nonnekloster umfassen, sind kein Bestandteil des noch bestehenden Karmelitenordens, der seit den 70er Jahren weltweit im Niedergang begriffen ist, sondern eine lokale Gründung nach bischöflichem Recht. Das ganze Interview mit P. Tiago finden sie auf TNLM in englischer Sprache.
Bischof Guimarães bei der Zelebration
Gute und schlechte Nachrichten aus Brasilien und Frankreich
24. 8. 2010
Die Spanweite ist beträchtlich. Bischof Guimarães, seit 2080 Bischof von Garanhuns in Brasilien, hat bereits mehrfach die Messe im alten Ritus gelesen - nun hat in Sao Paulo in der Kirche des hl. Apostels Paulus ein erstes feierliches Pontifikalamt in der außerordentlichen Form gefeiert und in diesem Rahmen das Sakrament der Firmung gespendet. Für einen regierenden Bischof, der sich auch in Lateinamerika einer starken Fraktion modernistischer Kräfte in seiner Diözesanverwaltung zu erwehren hat, keine Kleinigkeit.
Etwa gleichzeitig hat in Frankreich der Bischof von Agen, Msgr. Herbreteau, die ihm offensichtlich verhaßte Feier der Messe im alten Ritus unmöglich gemacht. Als letzte in einer Reihe von Schikanen verbot er dem vom Institut Christus König zur Betreuung der gläubigen des alten Ritus abgestellten Pater Téqui die Weiterführung einer offenbar sehr erfolgreichen Sonntagsschule mit mehr als 30 Kindern und machte die Spendung der Taufe im alten Ritus praktisch unmöglich.
Wie Rorate Cæli mitteilt, hat das Institut Christus König daraus die Konsequenz gezogen, P. Téqui aus Agen abzuziehen und an einem anderen Platz mit besseren Arbeitsbedingungen einzusetzen. Die Einheit des Bischofs von Agen mit dem Papst kann unter diesen Umständen wohl nur noch als Fiktion betrachtet werden.
Die tägliche hl. Messe
auf dem iPhone
23. 8. 2010
Nach dem Echo auf The New Liturgical Movement zu urteilen, hat die katholische Welt darauf gerade noch gewartet: iMass bringt die heilige Messe nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus täglich neu auf's iPhone. Gefeiert wird die Messe in der von der Petrusbruderschaft betreuten Christkönigs-Pfarrei in Sarasota, Florida. Neben der Direktübertragung bietet die Anwendung auch den lateinisch-englischen Text der täglichen Liturgie nach dem Missale von 1962 und empfiehlt sich somit auch als Begleiter für den tatsächlichen Messbesuch.
Da sage noch einer, die Anhänger der überlieferten Liturgie wollten in die Vergangenheit zurück.
Erfahrungsbericht 6:
Die 'Alte Messe' in Moskau
20. 8. 2010
Bereits im Juni hatten wir kurz darüber berichtet, daß in der Krypta der Kathedrale von Moskau ein Altar in einer kleinen Kapelle geweiht worden war, die in Zukunft vorzugsweise für die Feier der alten Liturgie bestimmt ist. Danach schrieb uns Kaplan Thomas Huber aus Wolfsburg einige ergänzende Informationen:

Kaplan Huber in Moskau
„Der Erzbischof von Moskau, Paolo Pezzi, unterzeichnete am 08.04.2008 ein Dekret, in dem er den Interessenten der Hl. Messe nach dem Missale Romanum von 1962 einen Kaplan zur Seite stellt und die Feier der überlieferten Messe einmal im Monat bestimmt. Als Kaplan wurde Pfarrer Augustin Dsendel (SDB) ernannt. Seit dem Dekret entwickelt sich die Gruppe der Interessierten stetig fort. Der Gregorianische Chor der Kathedrale, der anfangs nur das lateinische Amt im Novus Ordo begleitete, beginnt nun auch im Vetus Ordo zu wirken.
Die Ministrantenzahl in der außerordentlichen Form verdoppelte sich, so daß mit dieser Besetzung am ersten Sonntag im Monat ein gesungenes Amt gefeiert werden kann.
Vor einigen Wochen wurde die Renovierung des Altars in der Krypta abgeschlossen und S.E. Erzbischof Paolo Pezzi, nahm die Konsekration im überlieferten Ritus vor.
Die Einladung nach Moskau zu kommen erhielt ich nun von meinem Bruder Gregor. Er lebt schon über sieben Jahre in der russischen Hauptstadt und ist Mitglied der dortigen traditionellen Gemeinschaft. Die Idee war nun, die Gruppe durch einen Pastoralbesuch mit täglicher Zelebration geistlich zu stärken und den Aufbau der nötigen Strukturen voranzubringen. Auf Wunsch der Gemeinschaft wurde ein Requiem für die Moskauer Märtyrerpriester dargebracht. Die tägliche Zelebration der 'alten Messe' fand in der Woche vom 13.-18.07 statt.“

Weihbischof Dr. Klaus Dick
„3 Jahre Summorum Pontificum - Wohin geht die Reise“
19. 8. 2010
Ein Vortrag von Weihbischof Dr. Klaus Dick „Die liturgische Spiritualität von Papst Benedikt XVI. im Lichte des Zweiten Vatikanischen Konzils“ bildet den Auftakt einer 5-teiligen Sendereihe des Kölner Domradio zum Thema „3 Jahre Summorum Pontificum – Wohin geht die Reise“. Der Vortrag von Weihbischof Dick wird morgen, Freitag, den 20. 8. um 21. Uhr gesendet und ist anschließend als podcast im Internet nachzuhören. .
Weitere Sendungen folgen am:
- 27. 8.: Der Redakteur der Reihe Jan Hendrik Stens spricht mit dem Münchner Liturgiewissenschaftler Winfried Haunerland;
- 3. 9.: Gespräch mit dem Kirchenmusiker Professor Heino Schubert;
- 10. 9.: Gespräch mit dem Psychotherapeuten und Liturgie-Kenner Dr. Wilfried Haßelberg-Weyandt zu psychologischen Aspekten der Liturgie;
- 17. 9.: Bericht von Pfr. Ulrich Terlinden über seine pastoralen Erfahrungen seit der Freigabe in einer ganz normalen Landgemeinde.
Auskunft über die Möglichkeiten, die Sendungen direkt im Radio zu hören, gibt es hier.

Engel begleiten die hl. Jungfrau auf dem Weg zum Himmel
Mariä Himmelfahrt als Mysterienspiel in Elche
17. 8. 2010
Im spanischen Elche - das liegt etwa 20 km westlich von Alicante - wird alljährlich zu Mariä Himmelfahrt ein Mysterienspiel von der Entschlafung und Aufnahme Mariens in den Himmel aufgeführt. Dabei werden alle Pracht und alle Apparate eingesetzt, die der Barock für das Theater entwickelt hat - und das ist eine ganze Menge. Da strömen die Apostel aus allen Himmelsrichtungen herbei, um die Gottesmutter aus dieser Welt zu verabschieden, und musizierende Engel steigen vom Himmel, um die Seele in Empfang zu nehmen und mit ihr hoch oben in der Kirchenkuppel zu entschwinden.
Auf Youtube gibt es einen sehenswerten Film (4 min) von den dramatischsten Momenten der Inszenierung, und TNLM bringt einen Bildbericht, der ähnliche Veranstaltungen aus anderen Städten Spaniens vorstellt.

Hochamt in der prächtigen gotischen Kirche von Downside
Seminar zur alten Liturgie in England
16. 8. 2010
Im englischen Downside fand in der vergangenen Woche ein Seminar der Latin Mass Society zur alten Liturgie statt, an dem über 50 Personen – Priester - Kirchenmusiker - Zeremoniare – teilnahmen. Mit dabei war auch Weihbischof Athanasius Schneider, der eine stille Messe und ein Pontifkalamt zelebrierte sowie einen Vortrag hielt.
Ebenfalls dort war Pfarrer Ray Blake aus Brighton, auf dessen Website St. Mary Magdalen zwei kurze Berichte mit zahlreichen Photos erschienen sind

Aufnahme Mariens in den Himmel v. Murillo
Mariä Himmelfahrt
15. 8. 2010
Wäre man allein auf die Darstellung der Postkatholiken von der Kirchensite des Bistums Münster angewiesen, könnte man wohl die Kräuterweihe für das wichtigste am Fest Mariä Himmelfahrt halten. Doch dem ist nicht so.
Der sl. Ildefons Kardinal Schuster (1880 - 1954), Erzbischof von Mailand, hat in seinem Liber Sacramentorum die Entwicklung der Liturgie und Lehre von der leiblichen Aufnahme Mariens in der römischen Kirche seit den frühesten Zeiten in eindrucksvoller Ausführlichkeit beschrieben – wir haben den Text für Sie übernommen, um die Anmerkungen gekürzt und um einige Illustrationen erweitert. Hier geht es zum Kapitel „Das Fest Mariä Himmelfahrt in der alten römischen Liturgie“.
Jesus Christus Hoher Priester
14. 8. 2010
Diese bemerkenswerte Statue fand der unermüdliche John Sonnen in der römischen Kirche Gesu e Maria an der Via del Corso. Der Gekreuzigte (man beachte die Wundmale) und Auferstandene nicht wie meistens in historisierender Gewandung, sondern in Albe und Casel als der ewige und einzige Hohe Priester. Opfer und Gnaden spendender Darbringer des Opfers in einer Person.
Ein schöner Nachtrag zum vor wenigen Wochen zu Ende gegangenen Priesterjahr.
Erfahrungsbericht 5:
Die Minderheit in der Minderheit
12. 8. 2010
In den von vielerlei katholischen Gewohnheiten geprägten Regionen Süddeutschlands mit ihren Barockkirchen und Bildstöcken mag es leicht sein, die Tradition der Kirche wieder zu suchen und zu entdecken. Aber wie sieht das in der norddeutschen Diaspora aus, wo die Katholiken eine kleine Minderheit sind, und ein tatsächlicher oder gefühlter Protestantisierungsdruck zu den kaum hinterfragbaren Rahmenbedingungen des Lebens vieler Gemeinden gehört? Thomas Veitschegger berichtet aus Hannover.
In eigener Sache:
Zunächst einmal ganz herzlichen Dank an alle, die bisher etwas über die Auswirkungen von Summorum Pontificum in ihrem persönlichen Umfeld geschrieben haben. Einige Berichte liegen noch im Posteingang; sie werden in den nächsten Wochen erscheinen. Die Serie hat gerade in der Verschiedenheit der Darstellung großen Anklang gefunden, und wir würden sie gerne weiterführen - wenn und solange Sie uns weiterhin mit Material versorgen. Hier noch einmal die Adresse: info(at)motu-proprio.de
Anfahrt auf Maria Maggiore
Zu Maus durch Rom
11. 8. 2010
Aus gegebenem Anlass wollen wir Sie zu einer Mausfahrt durch Rom mit Google Streetview einladen. Einfach hier klicken, und schon stehen Sie mitten auf der Straße vor Santa Maria Maggiore. Ein guter Start für eine virtuelle Stadtrundfahrt. Sie kommen überall hin, wohin man auch mit dem Auto kommt, und weiße Flecken gibts hier keine.
Erzbischof Raimond Burke, Präfekt der Signatura
Summorum Pontificum –
„Kein Gruppenprivileg, sondern eine Aufgabe für alle“
10. 8. 2010
Der Kommentar des Kirchenrechtlers Gero P. Weishaupt zu Summorum Pontificum, der bislang nur im Internet zu lesen war, ist Anfang dieses Monats unter dem Titel „Päpstliche Weichenstellungen“ auch als Buch erschienen. Das Vorwort zu dieser Ausgabe schrieb der Präfekt der Signatura, Erzbischof Raimond Burke.
Neben verschiedenen Aussagen zur Notwendigkeit, die Entwicklung der Liturgie im Geist der Kontinuität und nicht als Ausdruck von Brüchen zu sehen, geht der Vorsitzende des höchsten kirchlichen Gerichtshof auch auf Probleme ein, die die Gläubigen an einigen Orten ganz konkret beschäftigen, etwa die Frage nach dem Einsatz von Messdienerinnen oder Lektorinnen. Seine Antwort läßt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig:
(Ein allgemeines kanonistisches) Prinzip fordert, daß die liturgischen Normen, die 1962 in Kraft waren, für die Zelebration der Außerordentlichen Form des Römischen Ritus sorgfältig zu beachten sind, denn diese Normen schützen die Integrität des Römischen Ritus, wie er im Meßbuch des seligen Johannes XXIII. enthalten ist. Das zweite Prinzip besagt, daß die nachfolgende liturgische Disziplin nur dann auch in die Außerordentliche Form einzuführen ist, wenn diese Disziplin ein Recht der Gläubigen berührt, das sich unmittelbar aus dem Taufsakrament ergibt und dem ewigen Heil ihrer Seelen dient.
Die Anwendung dieser beiden Prinzipien auf die genannten Fälle führt zur Einsicht, daß weder der Altardienst von Personen weiblichen Geschlechts noch die Ausübung der Laiendienste des Lektors oder des außerordentlichen Spenders der Heiligen Kommunion zu den fundamentalen Rechten der Getauften gehören. Deshalb sind diese jüngeren Entwicklungen aus Respekt vor der Unversehrtheit der liturgischen Disziplin, wie sie im Missale Romanum von 1962 enthalten ist, nicht in die Außerordentliche Form des Römischen Ritus einzuführen. Der Kommentar legt hier eindrucksvoll dar, daß die gegenseitige Bereicherung beider Formen des Römischen Ritus nur dann möglich ist, wenn die den beiden Formen jeweils eigentümliche Disziplin entsprechend sorgfältige Beachtung findet.
Hier lesen Sie den ganzen Text des Vorwortes von Erzbischof Burke.
Unsere Liebe Frau von der Atombombe
Die Madonna von Nagasaki
9. 8. 2010
Als am 9. August 1945 die japanische Großsstadt Nagasaki mit damals etwa 200 000 Einwohnern von der zweiten amerikanischen Atombombe zerstört wurde, verbrannnte auch die unweit des "point zero" im Stadtteil Murakami gelegene Kathedrale. Nagasaki hatte seit dem 16. Jahrhundert eine starke christliche Gemeinde, die während der wütenden Christenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts zahlreiche Märtyrer hervorgebracht hat. Zum Zeitpunkt des Bombenabwurfs befanden sich mehrere Priester und einige Dutzend Gläubige in der Kirche, um sich mit der Beichte auf das bevorstehende Fest Mariä Himmelfahrt vorzubereiten. Von ihnen überlebte keiner die Explosion und den anschließenden Brand. Die Pfarrei der Kathedrale hatte damals etwa 12 000 Gläubige, von denen an die 9000 an diesem Tag umkamen
Hochaltar der Kathedrale vor dem Krieg
Als der japanische Trappistenmönch Kaemon Noguchi nach seiner Demobilisierung im Oktober 1945 in seine Heimatstadt Nagasaki zurückkam, durchsuchte er die Trümmer der Kathedrale und fand dabei den halb verbrannten Kopf der Statue der Immaculata, die früher auf dem Aufbau des Hochaltares gestanden hattte. Die Statue war in den 20er Jahren in Italien nach der Vorlage des Gemäldes der Immaculata von Murillo gefertigt worden.
Als Noguchi später in sein in Nordjapan gelegenes Kloster zurückkehrte, nahm er den Kopf mit und bewahrte ihn bis Mitte der 70er Jahre heimlich auf. Erst danach brachte er den Fund nach Nagasaki zurück, wo er heute in einer Seitenkapelle der wiederaufgebauten Kathedrale ausgestellt ist und von japanischen Katholiken wie eine Reliquie verehrt wird. Hier weitere Informationen.
„Wurzeln der gegenwärtigen Deformation der Liturgie“
6. 8. 2010
Im Mai 2008 haben wir auf unserer Seite mit Büchern zur Liturgiereform Jonathan Robinsons The Mass and Modernity vorgestellt. Jetzt ist eine italienische Übersetzung dieses Buches erschienen, und das Vorwort zu dieser Ausgabe hat der Sekretär der Gottesdienstkongregation, Erzbischof Augustine di Noia, geschrieben. Daraus einige Sätze:
Die Moderne leugnet, wie Fr. Robinson es darstellt, die Gegenwart der Fleisch gewordenen Wahrheit im Wandel der Zeiten und der Geschichte. In diesem Sinne stimmt die Moderne mit dem Modernismus überein, jenem verkürzten Verständnis der Moderne, die sic h alleine auf das "Neue" stützt und alles Unveränderliche ablehnt.
Wie The Mass and Modernity darlegt, ist dieses Konzept zu einem gesellschaftlichen und kulturellen Allgemeinplatz geworden, und das hat weitreichende Auswirkungen auf unser Verständnis der Liturgie der Kirche. Wir verehren Gott nicht mehr als eine objektive Größe, die unabhängig von unserem Verständnis und unserer Erfahrung ist. Wir haben Gott subjektiv gemacht, der Gottesbegriff gibt nur noch das wieder, was wir in Gott sehen wollen. Die Umsetzung der nachkonziliaren Liturgiereformen hat zu diesem Verlust der Objektivität beigetragen. Wie Papst Benedikt XVI. angemerkt hat, wurde das neue Missale „als Elaubnis, ja sogar Aufforderung verstanden, Kreativität einzubringen, und das hat häufig zu unerträglichen Entstellungen der Liturgie geführt“. Der Nachfolger des hl. Petrus und oberste Hirte der Kirche hat seine schweren Bedenken wegen der „willkürlichen Entstellungen der Liturgie“ ausgedrückt, die dem Volk Gottes so schwere Wunden zugefügt haben. (Begleitbrief zu Summorum Pontificum)
Nach Robinson hat die moderne Philosophie Konzepte von „Gemeinschaft“, „Wissenschaft“, „Vernunft“ und der Bedeutung von „modern“ hervorgebracht, die das Selbstverständnis der Gegenwart tief geprägt haben und durch ihr Eindringen in in das katholische Bewußtsein zu den gegenwärtigen Deformierungen der Liturgie beigetragen haben. Eine der besonderen Stärken dieses Buches besteht in der meisterhaften Auifdeckung, wie tief solche Vorstellungen in der Entwicklung des modernen westlichen Denkens verwurzelt sind.
Ds ganze umfangreiche Vorwort findet sich in englischer Übersetzung auf TNLM, und am besten ist es natürlich, sich gleich das ganze Buch zu besorgen.
Inzensierung des Zelebranten
1500 beim Jubiläums-Hochamt
im alten Ritus
5. 8. 2010
Seine Exzellenz, der hw. Herr Erzbischof emeritus Dr. Gregory O. Ochihaga feierte (am 1. August in Umuaka) das Goldene Jubiläum seiner Priesterweihe im glänzendem Rahmen eines feierlichen Pontifikalamts in der außerordentlichen Form des Lateinischen Ritus. Aus ganz Nigeria war eine große Menge angereist, um die Musik, den Glanz und die Pracht zu erfahren, und sie wurden nicht enttäuscht. Da das Geld für die Betonplattform während der Arbeiten ausgegangen war, mußten einige Gäste mit Sitzbänken auf dem Erdboden vorlieb nehmen. Es waren Zeltdächer bereitgestellt, aber sie reichten für die große Menge nicht aus, und der Altarraum war provisorisch mit Wellblech überdacht.
Träger von Stab und Mitra
Seine Exzellent hatte erklärt, die Messe solle die unglaubliche Schönheit der liturgischen Traditionen der Kirchezum Ausdruck bringen. Er legte die Paramente am Thron an, so daß es alle sehen konnten. Der Chor der Pfarrei hatte 12 Wochen lang geübt, um die Proprien der Messe singen zu können, sie wurden dabei von einem Chor aus Lagos unterstützt. Assistierender Priester war P. Evaristus Eshiowu FSSP, Diakon P. Antony sumich FSSP, Subdikon P. Don-Bosco Ohadugha. Die Messdiener kamen mit Ausnahme eines Seminaristen von der FSSP alle aus der Pfarrei.
In seiner Predigt erwähnte der Bischof Emeritus die vielen Vorzüge der alten Messe und fand einige Kritikpunkte an der neuen Liturgie. Wir hoffen, den Text der Predigt veröffentlichen zu können, sobald wir das Manuskript erhalten."
Diesen Bericht entnehmen wir dem Nachrichtenteil der Website der Petrusbruderschaft in Nigeria. Dort gibt es auch eine umfangreiche Bilderserie. Wie aus der Nachrichtenseite noch hervorgeht, waren die Messdiener vorher beim Bau der Betonplattform eingesetzt. Diese Plattform wurde übrigens nicht eigens für diesen Anlaß gegossen, sondern soll später als Fundament für den Neubau der Ortskirche dienen.)
Erfahrungsbericht 4:
Was ist hier so ganz anders?
4. 8. 2010
Den sehr persönlichen und sehr einsichtsreichen Erfahrungsbericht dieser Woche hat uns eine Leserin aus Süddeutschland zugeschickt. Sie hatte nach langer Abwesenheit wieder zur Kirche zurückgefunden und stellte sich eines Tages die Frage, warum nur so wenig junge Leute am Gottesdienst teilnahmen. Und auch sie selbst entwickelte das Empfinden, daß da irgend etwas fehle - trotz der netten Atmosphäre, des freundlichen Miteinander und der Leichtigkeit und milden Zwanglosigkeit bei der sonntäglichen Eucharistiefeier.
Seitdem sie die Gelegenheit hat, wieder die hl. Messe in der überlieferten Liturgie zu besuchen, weiß sie, was ihr da fehlt. Ihre Einsichten sollten den Liturgie-Ingenieuren und Sozialarbeitern zu denken geben, die sich so viel auf die von ihnen entwickelte „dem Volk zugewandte“ neue Form des Gottesdienstes zugute halten. Lesen Sie hier den ganzen Bericht.
Pontifikalamt in Bukowina Tatrzanska
„Ars serviendi“ – liturgisches Seminar
in der Diözese Krakau
3. 8. 2010
In der letzten Juli-Woche veranstaltete die Petrusbruderschaft zusammen mit anderen Gruppen der Erzdiözese Krakau in Bukowina Tatrzanska ein einwöchiges liturgisches Seminar "Ars serviendi". Ungefähr 50 Teilnehmer feierten eine Woche lang die alte Liturgie in Hochämtern und den Horen des Offiziums, hörten Vorträge und beteiligten sich an Diskussionen.
Letzten Dienstag, am 27. 6. zelebrierte der Abt des Benediktinerklosters Tyniec in Krakau, Dom Bernard Sawicki O.S.B., mit den Teilnehmern der Veranstaltung und zahlreichen Gästen ein feierliches Hochamt. Eine Photoserie mit beeindruckenden Bildern gibt es auf Nowy ruch liturgiczny.
Der Ball ist rund - Nachtrag
2. 8. 2010
Zur „Fußballmesse“ in Obdam - wir berichteten - ist jetzt auch ein Video auf Youtube aufgetaucht.
Menschenopfer vor 5000 JahrenQuelle
Opfertheologie, säkularistische Variante
2. 8. 2010
Der Opfergedanke ist von der modernistischen Theologie an den Rand gedrängt und vielfach aus der Liturgie der Kirche getilgt worden – Erzbischof Kurt Koch hat das nicht nur in seinem hier jüngst zitierten Interview immer wieder kritisiert. So darf es nicht wundern, daß die Säkularreligion den verwaisten Gedanken aufgreift – wie üblich in entstellter und pervertierter Form.
Die Rede ist davon, daß wenn immer irgendwo in den mit hohem Aufwand durchgeplanten großtechnischen Systemen und Abläufen unseres Alltags irgend etwas schief gegangen ist und somit das Dogma von der grenzenlosen Machbarkeit der Welt einen Schlag bekommen hat, ein Schuldiger gesucht und meistens auch gefunden wird, der dann unter begeisterter Anteilname des Publikums medial guillotiniert wird.
Einer der dabei beschäftigten Hilfs-Scharfrichter hat sich jetzt erstaunlich offen über die dem zugrunde liegenden Mechanismen ausgelassen. Jesus, so lesen wir es auf der ersten Seite des Tagesspiegels vom Sonntag, sei freiwillig als „Sündenbock“ für die Menschheit gestorben und habe damit ein, so lehre es die Kulturanthropologie, zutiefst in den Menschen verwurzeltes Bedürfnis erfüllt:
Wenn eine Gemeinschaft durch ein Ereignis erschüttert wurde, dann braucht sie jemanden, den sie symbolisch aus ihren Reihen ausstößt und der sie von ihren eigenen Schuldgefühlen entlastet.“
In der Nutzanwendung auf den inzwischen sogar bereits vom deutschen Bundespräsidenten zum Rücktritt gedrängten Duisburger Oberbürgermeister, der freilich seiner Altersvorsorge zuliebe eine Abwahl vorzöge, befindet die den Idealen der Aufklärung verpflichtete Zeitung sodann:
Der Politiker, der aus Verantwortung zurücktritt, zeigt, dass er seine Aufgabe wichtiger nimmt als sich selbst. Er ist nur ein Stellvertreter, als Stellvertreter nimmt er die Schuld anderer auf sich. Solche Rituale sind manchmal notwendig, wie Beerdigungen, Geburtstage, Hymnen oder Fahnen, keine Gemeinschaft ohne Rituale.“
Der Oberbürgermeister als Erlösergestalt – darauf muß man erst einmal kommen. Aber der Casus enthält neben dem Lächerlichen doch auch Bedenkenswertes: Der Gedanke von Sühne und Opfer ist vielleicht auch in „modernen“ Gesellschaften nicht so „unvermittelbar“, wie hasenfüßige Theologen uns das in den letzten Jahrzehnten gepredigt haben. Eines jedenfalls liegt auf der Hand: Wo die Kirche ihren Auftrag vernachlässigt, die Wahrheit über Schuld, Opfer und Erlösung in klaren Worten zu verkünden, ziehen die Mythologen säkularer Ersatzreligionen die Sache an sich, und unter ihren Händen wird aus dem, was Christus zur Versöhnung zwischen Gott und den Menschen gelehrt und vollbracht hat, ein Werkzeug des social engineering in einer Gesellschaft, die sogar ihre Erlösung aus eigener Kraft bewältigen zu können glaubt.
Übrigens: Daß die von politischen Machthabern und höchsten staatlichen Würdenträgern betriebenen medialen Hinrichtungen medial bleiben, ist unter diesen Umständen auf Dauer nicht zu garantieren. Der Gedanke des Menschenopfers war in primitiven Gesellschaften schon immer sehr populär.
Erzbischof Kurt Koch
„Die Liturgiekonstitution wird immer noch ignoriert“
30. 7. 2010
Der neue Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Erzbischof Kurt Koch (früher Basel), hat der brasilianischen Agentur Gaudium Press ein Interview gegeben,in dessen Verlauf er auch auf das rechte Verständnis der Liturgie im Spannungsfeld zwischen Volk-Gottes-Theologie und Mysterium angesprochen wurde. Hier die Antwort in unserer etwas unsicheren Übersetzung:
All das, was von einigen Leuten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil als Neuerung hingestellt worden ist, war überhaupt nicht Gegenstand der Liturgiekonstitution. Die Feier der Liturgie in Richtung auf die Gläubigen zum Beispiel kam in der Tradition nie vor. Die Tradition bedeutete immer die Zelebration in Richtung Osten, denn das war die Richtung der Auferstehung. In der Peterskirche wurde die Liturgie stets in Richtung der Gläubigen gefeiert, weil das dort eben auch die Richtung nach Osten war. Ein Zweites ist die Frage der Umgangssprache. Das Konzil wollte, daß Latein als Sprache der Liturgie erhalten bliebe.
Die tiefen und grundsätzlichen Aussagen der Liturgiekonstitution werden immer noch von vielen ignoriert. Da ist z.B. das Verhältnis zwischen Liturgie und Pascha-Mysterium. Beim Pascha-Mysterium geht es um das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi. Das kann man nicht ohne den Gedanken des Opfers feiern, und so wird es auch in der Theologie zum Ausdruck gebracht. Aber auch die Konstitution Dei Verbum ist in der Kirche so gut wie unbekannt. Wir haben immer noch sehr viel zu tun, um das Konzil zu verwirklichen."
Das Interview ist wohl auf Englisch oder Deutsch geführt worden, wurde dann ins Portugiesische übersetzt, von Rorate Cæli dann ins Englische, und nun von uns wieder ins Deutsche - das gibt Unschärfen. Sollte demnächst eine autorisierte Version in Deutsch oder Englisch herauskommen, werden wir das gerne nachreichen.
Wappen des lateinischen Patriarchen von Jerusalem
Revolutionäre im Patriarchenkleid
30. 7. 2010
Die Kirchen im Orient, katholische wie orthodoxe gleicherweise, sehen sich in bedrängter Lage. Jährlich treten Zehntausende ihrer Mitglieder zum Islam über, zumeist unter Druck: Künftige Ehepartner oder Arbeitgeber bestehen darauf. Weitere Zehntausende wandern aus. Israel, hier als legitime Regierung, dort als Besatzungsmacht, schikaniert die Christen nach Kräften. Die für Oktober angesetzte Mittel-Ost-Synode der in Gemeinschaft mit dem Papst stehenden Kirchen sieht sich vor großen Herausforderungen.
Ob sie diesen gewachsen ist, ist nach dem, was hier über die Vorbereitungen zu erfahren ist, durchaus ungewiß: Wieder einmal sucht man das Heil nicht zuletzt bei Anpassungen an die Zeitgeister, nicht zuletzt in der Liturgie. In dem Instrumentum Laboris, das der Papst dem Vorbereitungskomitee im Mai bestätigte, ist in Abschnitt 71 zu lesen:
Viele haben den Wunsch nach einer liturgischen Erneuerung geäußert, die zwar die Begründung in der Tradition erhält, aber moderne Sensibiltäten und die geistigen und pastoralen Notwendiglkeiten der Gegenwart berücksichtigt."
Was zumindest das Lateinische Patriarchat von dieser „Erneuerung“ erwartet, hat Weihbischof William Shomali bereits im Mai in einer Rede auf einer Vorbereitungskonferenz zur Synode in Worten ausgedrückt, die größte Bedenken hervorrufen müssen:
Unsere Kirchen müssen einerseits ihre liturgische und sprachliche Eigenart pflegen, andererseits brauchen wir jedoch ein höheres Maß an Gemeinsamkeit - da bleiben gegenwärtig Wünsche offen. Sie brauchen außerdem eine pastorale und liturgische Erneuerung. Die Lateinische Kirche hat das mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil vorgenommen, das ihre Liturgie und ihre Ekklesiologie revolutionierte und ihr eine neue Offenheit gegenüber der Welt schenkte. Die Kirchen des Ostens brauchen eine gleichartige Revolution, damit sie sich modernisieren und anpassen können, um so den Bedürfnissen ihrer Gemeinden heute besser entsprechen zu können.
Das Instrumentum enthält alles, was zu einer solchen Revolution gebraucht wird: Die weitestgehend Umstellung aller Riten auf modernes Arabisch (72), die Entwicklung neuer liturgischer Texte, die "dem Verständnis und der Vorstellungswelt" von Kindern und Jugendlichen angepasst sind, auch für Erwachsene werden Texte gefordert, die keine Übersetzungen, sondern "Neuformulierung" im Gewand der Gegenwart.(73) Durchgeführt werden soll das ganze von einer "interdisziplinären Gruppe von Liturgiewissenschaftlern Theologen, Soziologen, Pfarrern und liturgisch engagierten Laien".
Das Consilium Bugninis und sein Ungeist lassen grüßen.
Natürlich versäumen die Vorbereitungsdokumente nicht die üblichen Bekenntnisse zur Ökumene, die sich hier hauptsächlich an die Orthodoxen richten. Bleibt abzuwarten, was die Kirchen der Orthodoxie von einer Ökumene mit solcherart revolutionierten Glaubensgeschwistern halten.
Fußballmesse in Obdam
Der Ball ist rund
29. 7. 2010
Bischof Jozef Punt von Haarlem-Amsterdam hat während der Weltmeisterschaft Pfarrer Vlaar von Obdam wegen der von ihm in Oranje-Gewandung und mit Fußballtor auf dem Altar gefeierten Sonntagsmesse beurlaubt. Heute bringt kath.net in Übersetzung den Wortlaut eines Briefes an die Gemeinde von Obdam, in dem der Bischof seine Maßnahme rechtfertigt, wir zitieren Ausschnitte:
Meine disziplinarische Reaktion hat heftige Proteste, aber auch Zustimmung hervorgerufen. Durch alle diese Emotionen begreifen viele nicht mehr, was los ist, darum dieser Brief.(...)Früher schon habe ich den Pastor gewarnt, die Eucharistiefeier nicht mit profanen Dingen zu vermischen, und er hatte versprochen, sich auch daran zu halten...
eine Eucharistiefeier dem Fußball unterzuordnen geht zu weit und ist eine Profanierung dessen, was der Kirche heilig ist. Denn es geht nicht nur um ein oranges Messgewand. In Obdam stand auch ein Tor auf dem Altar. Die Heilige Messe begann mit einem Pfeifsignal und einem Anstoß, das Schuldbekenntnis ging über einen Schiedsrichter und das Evangelium wurde durch eine Ode auf das „Oranjegefühl“ ersetzt. Eine Anzahl zentraler Texte waren in Fußballausdrücke umgeschrieben und bei der Kommunionspendung wurden profane Lieder gesungen. Dann wird Gott anstelle der Hauptsache zur Nebensache, und dies kann nicht die Absicht sein...
Es hört sich vielleicht hart an, aber für mich ist es ein Zeichen, wie sehr das Bewusstsein für Gottes Gegenwart im Gottesdienst, die Ehrfurcht vor dem Heiligen, in unserer niederländischen katholischen Kirche geschwächt ist. Wir scheinen nicht viel weiter zu kommen als zu Gefühlen von ‘angenehm und gesellig‘.
Unsere Kirche ist in einer doppelten Krise. Eine moralische Krise, wovon der Kindesmissbrauch in der Vergangenheit am schlimmsten war und wovon wir uns aufrichtig zu reinigen versuchen. Hier sind mittlerweile schon energische Maßnahmen unternommen worden.
Aber es ist auch von einer Glaubenskrise zu sprechen, die die Sicht auf die wesentlichen Glaubenswahrheiten trübt: Die wirkliche Gegenwart des auferstandenen Herrn in seiner ganzen Göttlichen Majestät, in der Heiligen Eucharistie und Kommunion ist hier eine davon. Jeder Gottesdienst muss auf die Anbetung von Ihm und die Vereinigung mit Ihm und durch Ihn auch untereinander ausgerichtet sein. Daraus schöpfen wir Kraft und Leben."
Fußballmesse im bayerischen LamBild: Mittelbayerische Zeitung
Dieser Erklärung des niederländischen Bischofs ist nichts hinzuzufügen - außer vielleicht der Frage, ob und in welcher Weise der Bischof von Regensburg auf ein offenbar sehr geselliges und unterhaltsames Fan-Hochamt reagiert hat, das Pfarrer Ambros Trummer von Lam zum Beginn der Weltmeisterschaft veranstaltete. Dort hatte - so der Bericht vom 13. 6. in der Mittelbayerischen Zeitung „Pastoralassistent Martin Münch mit den Gläubigen die „La Ola“ (geübt); und die Ministranten durften im Mittelgang Fußball spielen.“
Ausschnitt des Gruppenphoto der ACCC-Synode
Weitere Schritte zur Umsetzung von „Anglicanorum Coetibus“
29. 7. 2010
Im zu Ende gehenden Juli hat die Generalsynode der Church of England einen Kompromissvorschlag abgelehnt, der es traditionellen Gemeinden nach der bevorstehenden Einsetzung von „Bischöfinnen“ ermöglicht hätte, sich für die Seelsorge einem Bischof zu unterstellen. Damit wird es unausweichlich, daß sich weitere Gemeinden und auch mehrere Bischöfe vollständig von den Anglikanern abwenden.
Unmittelbar danach hat eine dieser schon vor längerer Zeit aus dem Verbund der Anglikaner ausgeschiedenen Gruppen, die Anglican Catholic Church of Canada (ACCC), auf ihrer Synode bei nur zwei Gegenstimmen den Brief der Bischöfe an Rom mit der Bitte um Errichtung eines Anglikanischen Ordinariates in Kanada gebilligt. Sie hat außerdem eine Resolution verabschiedet, die Bischof und Provinzialrat dazu ermächtigt, alle Anpassungen des Rechtes der Diözese vorzunehmen, die zur Bildung des Ordinariates erforderlich sind.
Die 41 Gemeinden umfassende ACCC gehört zu den Gruppierungen aus der anglikanischen Gemeinschaft, die sich nicht nur in der Lehre vollständig auf den Boden der katholischen Tradition gestellt haben,sondern auch in der Liturgie Kompromisse mit dem Zeitgeist ablehnen.
Erfahrungsbericht 3:
Bayrisches Zweierlei
28. 7. 2010
Die Lage ist durchwachsen - nicht nur in Bayern. Es gibt Regionen, in denen es den Gläubigen einigermaßen leicht gemacht wird, eine Messe in der überlieferten Liturgie zu besuchen -– auch wenn diese Messe dann vielleicht nicht ganz den Vorgaben des Missale entspricht, aus welchen Gründen auch immer. Und anderswo gibt es kleinliche Schikanen, die zwar niemanden daran hindern, die „alte Messe“ im Nachbarort oder einer anderen Kirche zu Besuche, die aber doch überdeutlich machen: Wir wollen Euch hier nicht haben, ihr gehört nicht zu uns.
Zwei Beispiele aus zwei Diözesen in Bayern zeigen, wie es vor Ort manchmal zugeht. Entwicklungsland im Vergleich zu Sri Lanka ist das stolze Bayern allemal. Und Erzbischof ist wohl auch nicht gleich Erzbischof, wenn es um den Gehorsam gegenüber dem Papst geht.
Erzbischof RanjithBild: Sunil de Silva
Ein „Jahr der Liturgie“
für das Erzbistum Colombo
27. 7. 2010
Schon oft haben wir hier Erzbischof Malcolm Ranjith Patabendige zitiert, der sich als Sekretär der Gottesdienskongregation in Rom unermüdlich für die Beseitigung liturgischer Mißstände und die freie Praktizierung der überlieferten Liturgie eingesetzt hat. Vor einem Jahr hat er dann sein neues Amt als Erzbischof von Colombo übernommen und verschwand damit etwas aus unserem Gesichtskreis. Seine neuesten Aktionen dort haben jetzt wieder ein weltweites Echo gefunden.
Mit einem Rundschreiben vom 16. Juli hat Erzbischof Ranjith die kommenden 12 Monate für seinen Verantwortungsbereich zum „Jahr der Liturgie“ erklärt und diese Deklaration mit einer Reihe von bemerkenswerten Zielsetzungen verknüpft. Gläubige und Priester sollen:
- Die vorgegebenen Regelungen der Liturgie nicht als von außen auferlegten Zwang, sondern als verehrungswürdigen Ausdruck des Eucharistischen Geheimnisses wahrnehmen;
- die neu herausgebenen Richtlinien der Diözese zur Liturgie strikt beachten und nicht wagen, sich durch eigenmächtiges Verhalten an die Stelle des göttlichen Gesetzgebers zu setzen;
- in allen Kirchen und Kapellen, insbesondere aber in den Seminaren und geistlichen Einrichtungen, die Weisungen der Dekane und der Liturgiebeauftragten strikt einhalten;
- in allen Gemeinden die Fähigkeit erwerben, an mindestens einem Sonntag im Monat ein lateinisches Choralhochamt zu feiern, wie das Abschnitt 36 der Liturgiekonstitution vorsieht. „In Sri Lanka haben wir den Fehler begangen, die Sprache unseres Gottesdienstes völlig aufzugeben. Dieses eucharistische Jahr soll uns die Gelegenheit geben, die verlorene Tradition wenigstens zu einem gewissen Maß wiederzubeleben.“
Der Erzbischof bekräftigt in seinem Erlass das Recht aller Priester, von sich aus „wo angemessen“ die Liturgie in der überlieferten Form zu feiern und fordert sie auf, die Gemeinden durch vorausgehende Katechesen darauf vorzubereiten. Weitere Ausführungen betreffen die Bereitstellung von Informationsmaterial zur würdigen Feier der Liturgie in all ihren Aspekten von der ars celebrandi bis zur Ausstattung der Kirchen und Altäre.
In Sri Lanka sind, wie im ganzen indischen Kulturkreis, in der Vergangenheit unter dem Vorwand der „Inkulturation“ üble Entstellungen der Liturgie eingeführt worden. Offenbar geht der Erzbischof jetzt daran, die Erneuerung, die er in Rom propagiert und gefordert hat, in seinem Jurisdiktionsbereich energisch umzusetzen. Beten wir dafür, daß ihm das gelingt und zu einem Vorbild für viele Diözesen in aller Welt wird.
Den vollständigen Text des Rundschreibens in englischer Sprache bietet die Website der Erzdiözese Colombo. Unser Bild stammt aus einer Bilderserie vom 175-jährigen Jubiläum eines Wallfahrtsortes der Diözese auf der gleichen Site.
Msgr. Nicola Bux
„Die alte Messe gehört in jede Kathedrale, jede Pfarrkirche“
26. 7. 2010
Msgr. Nicola Bux gehört zu den Theologen, die Papst Benedikt bei der Umsetzung seiner Reformen zur Wiedergewinnung katholischer Identität nachdrücklich unterstützen. Er ist Professor für Theologie an der Universität von Bari und Berater verschiedener römischer Dikasterien, er gehört auch dem von Msgr. Marini geleiteten „Amt für die lturgischen Feiern des Papstes“ an. Die italienische Website „Disputationes theologicae“ hat bereits im April ein langes Interview mit Prof. Bux über das Verhältnis zwischen neuer und überlieferter Liturgie geführt. Jetzt sind erste Übersetzung daraus ins Englische aufgetaucht. Wir übersetzen daraus einen uns besonders interessant erscheinenden Abschnitt samt der einleitenden Frage.
Frage: Das alte Offertoriumsgebet sprach ausdrucksstark von Gott, von der sakramentalen Kraft der Messe und von ihrem Wesen als einem gott dargebrachten Opfer. Kann man für den neuen Ritus eine Korrektur in diesem Sinne erwarten?
Antwort: Es ist wichtig, daß die alte Messe wieder besser bekannt wird; man nennt sie auch den tridentinischen Ritus oder besser wie Martin Mosebach kürzlich gesagt hat den Ritus von Gregor dem Großen. Diese Messe erhielt ihre Form bereits unter Papst Damasus (Papst von 366 bis 384) und danach weiter unter Gregor dem Großen und nicht erst unter Papst Pius V. Papst Pius nahm lediglich einige Anpassungen vor und ließ das festschreiben, was er vorfand. Dabei wurden die Bereicherungen früherer Jahrhunderte bewahrt und einiges Veraltetes weggelassen. Das alte Offertorium war ein integraler Bestandteil dieser Messe. Es ist schon viel darüber geschrieben worden, ob es angebracht sei, diese alten von Ihnen erwähnten Gebete wieder in den Ritus aufzunehmen. Die Vollmacht dazu, das anzuordnen, liegt jedoch ausschließlich beim Heiligen Stuhl.
Es ist schon wahr, daß die Logik, die die Neuordnung der Liturgie nach dem 2. Vatikanischen Konzil bestimmte, zu einer Vereinfachung der Offertoriumsgebete führte, zumal man davon ausging, daß es ja mehrere Gebete zum Offertorium geben würde. So kam es zur Einführung diese beiden Gebete mit jüdischer Anmutung. Die Secret blieb erhalten bzw. wurde zum Gabengebet, ebenso das „Orate Fratres“, und das schien ausreichend zu sein. Allerdings steht diese Vereinfachung, in der man eine Rückkehr zu den reinen Ursprüngen erblickte, im Widerspruch zur römischen liturgischen Tradition und auch zu den Traditionen von Byzanz und der anderen Liturgien des Ostens wie des Westens.
Die Struktur des Offertoriums wurde von den großen Kommentatoren des Mittelalters als Bild des triumphalen Einzugs Christi in Jerusalem gesehen, bevor er sich selbst als Opfergabe darbringen sollte. Deshalb wurden die Opfergaben bereits hier als „heilig“ bezeichnet und erhielt das ganze Offertorium seine große Bedeutung. Die moderne Vereinfachung hat viele Menschen dazu bewogen, die Wiedereinführung der inhaltsreichen und schönen Gebete wie des „Suscipe, sancte Pater“ und des „Suscipe, sancte Trinitas“ zu verlangen.
Es bedarf jedoch noch einer weitaus größeren Verbreitung der alten Messe, um eine solche „Ansteckung“ der neuen Liturgie durch die überlieferte Form zu ermöglichen. Und daher ist die Wiedereinführung der klassischen Liturgie, wenn ich das so sagen darf, ein Faktor der allergrößten Bereicherung. Es ist notwendig, ein feierliches sonntägliches Amt im traditionellen Ritus zumindest in jeder Kathedrale der Welt anzubieten, nach Möglichkeit auch in jeder Pfarrei. Das würde es den Gläubigen erleichtern, sich wieder an das Latein zu gewöhnen und sich als Teil der Katholischen Kirche zu fühlen. Das hätte auch die ganz praktische Auswirkung, ihnen die Teilnahme an Messfeiern bei internationalen Veranstaltungen zu erleichtern. Gleichzeitig denke ich, daß wir davon absehen sollten, Dinge außerhalb ihres Kontexts wieder einzuführen. Das, was in diesen Gebeten zum Ausdruck kommt, steht in einem umfassenderen rituellen Zusammenhang, und der kann nicht einfach dadurch wiederhergestellt werden, daß man ein Gebet einfügt. Dazu bedarf es komplexerer Anstrengungen.
Den ganzen Text, des Interviews, das noch weitere interessante Fragen behandelt, gibt es auf Rorate Cæli.
Zwei Gedanken aus diesem Abschnitt erscheinen besonders bemerkenswert: Zum einen wiederholt Msgr Bux hier die Forderung, die alte Liturgie in ihrer feierlichen Form solle nach Möglichkeit in jeder Bischofskirche und in jeder Pfarrkirche erlebt werden können. Das hatte bereits Kardinal Castrillón vor zwei Jahren in London ausgeführt – offenbar ist diese Vorstellung in der Umgebung des Papstes recht verbreitet. Zum zweiten erteilt er der Vorstellung eine Absage, Reformen an der neuen Liturgie durch Einzelmaßnahmen und gesetzliche Anordnung durchsetzen zu können: Es bedarf der „Ansteckung“ durch das Vorbild der praktizierten und akzeptierten überlieferten Liturgie, um nicht nur einzelne Elemente, sondern auch ihren Zusammenhang für die lebendige Liturgie wieder zu gewinnen: Wo die Neuerungen der 60er Jahre gewaltsam durchgesetzt wurden, soll die „Reform der Reform“ auf dem Weg der organischen Entwicklung erfolgen.
Bei der Pflege der Weinstöcke
Pfirsische in der Nordsee
23. 7. 2010
Traditionell gehört es zum Leben der Mönche, möglichst viel von dem, was sie zum täglichen Leben brauchen, in der eigenen Landwirtschaft anzubauen - auch unter ungünstigen Bedingungen. An dieser Tradition halten auch die „Söhne des allerheiligstern Erlösers“ fest, die der alten Liturgie verpflichteten „Transalpinen Redemptoristen“, die sich auf der Orkney-Insel Papa Stronsay in der Nordsee über Schottland niedergelassen haben. Sie haben sich auf ihrer Klosterinsel ein enormes Gewächshaus gebaut, und dort gedeiht - auf der Höhe von Oslo - unter anderem der wohl nördlichste Wein Europas.
Einem bemerkenswerten Bildbericht auf ihrer Website entnehmen wir, daß auch die Pfirsische in diesem Jahr gut gediehen sind - aber die Kiwis wollen und wollen nicht. Guter Rat zu einem gedeihlichen Umgang mit diesen potentiellen Vitaminspendern ist erwünscht - und jede andere Art von Unterstützung zweifellos auch.
Weihe in Courtalein am 10. 7.
Priesterweihe beim Institut Bon Pasteur
21. 7. 2010
Bereits am 10. Juli dieses Jahres erteilte der emeritierte Erzbischof von Potenza, Ennio Appignanesi, im Zentrum der Gemeinschaft im französischen Courtalain Drei Angehörigen des Instituts die hl. Weihen. einer wurde zum Priester, einer zum Diakon und einer zum Subdiakon geweiht. Wir hatten das bisher übersehen und werden jetzt erst durch eine Bilderserie auf TNLM auf das Ereignis aufmerksam. Noch mehr Bilder gibt es auf der Website des Instituts.
Erfahrungsbericht 2:
Wie sehr müssen diese Herren die Alte Messe fürchten!?
20. 7. 2010
Am 12. 7. veröffentlichten wir den Erfahrungsbericht eines Kaplans, der in seiner Pfarrei - durchaus zum Mißvergnügen der „progressiven Kräfte“ - zumindest an seinem „liturgiefreien Tag“ die hl. Messe in der überlieferten Form zelebriert. Heute setzen wir die Serie fort mit einem Bericht von Oskar Rauch aus Weiden, der sich als Laie für die Feier der Liturgie in der überlieferten Form in seiner Gemeinde einsetzt. Hier kommen die Schwierigkeiten weniger vom Pfarrer oder Dekan - in Weiden ist es Bischof Gerhard Ludwig Müller selbst, der den Gläubigen, „die sich der alten Form der Liturgie verbunden fühlen“, Hindernisse in den Weg legt.
Er ist nicht bereit, den Gläubigen mehr als eine „alte Messe“ pro Monat zu erlauben - und das, obwohl er im Gespräch mit Msgr. Guido Pozzo von Ecclesia Dei bereits zugestanden hatte, einen zweiten Messtermin zu gestatten. Aber lesen Sie selbst - hier der Bericht von Oskar Rauch.
Pfarrer Kotzur, P. Gesch, P. Bücker und P. Conrad
Ein Zeichen von Einheit
18. 7. 2010
Ein bewegendes Zeichen von Einheit war die Primizfeier von P. Jérôme Bücker (Zelebrant) und P. Gerald Gesch (Diakon) am heutigen Sonntag in der Berliner Pfarrkirche St. Matthias. Als Subdiakon amtierte P. Sven Conrad, ebenfalls Petrusbruderschaft. Presbyter assistens war Gemeindepfarrer Edgar Kotzur, Ehrendomherr an St. Hedwig, zwar selbst noch im alten Ritus geweiht, aber doch mit ganzem Herzen in der Liturgie Papst Pauls VI. zu hause.
St. Matthias ist eine Gemeinde, in der Liturgie und kirchliches Leben in der Hermeneutik der Kontinuität stehen. Der Altarraum ist ein wirkliches Allerheiligstes, das sonntägliche Hochamt wird jede zweite Woche nach dem Novus Ordo in lateinischer Sprache gefeiert, Schola und Gemeinde pflegen auch den gregorianischen Choral - von daher war es sicher keine Überforderung der Gläubigen, daß heute das Hochamt aus Anlaß der Doppelprimiz zur üblichen Zeit ausnahmsweise im überlieferten Ritus gefeiert wurde. Die Gemeinde stimmte wie gewohnt zum Wechselgesang in das Gloria der 8. Messe ein - und übernahm wie selbstverständlich auch den Gesang des lateinischen Pater Noster, das in der traditionellen Form freilich bis auf das "Libera nos" dem Priester vorbehalten ist. Glücklich die Gemeinde, in der es keine größeren Abweichungen von den Rubriken gibt.
Freudig wie ein geistlicher Vater und doch auch mit etwas Wehmut sprach Pfarrer Kotzur in seiner Predigt von der Arbeit des Säens in der Gemeinde - und davon, daß dann andere dort weitergebaut hätten, doch der Segen auf dem Werk beider komme vom Herrn. Und reicher Segen liegt offensichtlich auf seiner Arbeit, denn auch im letzten Jahr konnte er in seiner Kirche die Primiz eines Pfarrkindes feiern, und die nächste Diakonatsweihe steht für kommendes Jahr auf dem Kalender. Wo das hl. Messopfer, wie Pfarrer Kotzur sagte, „immer so gefeiert wird, wie es im Buche steht, und nicht, wie es einem gerade einfällt“ stellen sich offenbar reichlich die guten Früchte ein, von denen anderswo allzu oft nur geredet wird. Ein fruchtbares Nebeneinander von alter und neuer Liturgie gehört mit dazu.
Hier nun die Bilderseite von der heutigen Primizfeier.
Der Hl. Josemaría bei der Zelebration
Wie weit wird Opus Dei die alte Liturgie unterstützen?
16. 7. 2010
Der hl. Josemaría Escrivá (gest. 1975) war nicht begeistert von den Ergebnissen der Liturgiereform Papst Pauls VI. Trotzdem schrieb er der von ihm gegründeten Priestergesellschaft die Verwendung der reformierten Liturgie vor - teils, um die Treue zum Papst zu betonen, teils, um gegen die überhand nehmenden Missbräuche ein Beispiel für die würdige Zelebration der Messe auch im Novus Ordo zu geben. In den meisten Kirchen des Opus Dei gibt es keine "Volksaltäre", zelebriert wird "ad Dominum", und oft auch auf Latein. Die Pflege der lateinischen Sprache und der in ihr überlieferten traditionellen Theologie haben im Opus einen bedeutenden Stellenwert.
Zum 60. Jahrestag der Errichtung der Gesellschaft durch Papst Pius XII. hat Rorate Caeli Fakten und Meinungen zur liturgischen Entwicklung beim Opus Dei zusammengetragen. Danach steht nicht zu erwarten, daß die Gemeinschaft sich - gegen den Willen ihres Gründers - von der Liturgie in der reformierten Form abwenden wird. Gleichzeitg deuten jedoch viele Anzeichen darauf hin, daß Summorum Pontificum dort zunehmend Resonanz findet und das Opus in Zukunft verstärkt darauf hinwirken wird, den Gläubigen, die das wünschen, auch die überlieferte Liturgie zugänglich zu machen.
Erfahrungsbericht 1: Ein Priester
12. 7. 2010
Als ersten Erfahrungsbericht veröffentlichen wir heute die Zuschrift eines Priesters. Er hat uns - und das sagt schon fast genug über die gegenwärtige Situation - gebeten, seinen Bericht zu anonymisieren, und dem kommen wir selbstverständlich nach. Besonders beeindruckt hat uns dieser Absatz:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Ritus extraord. meine persönliche, sowie meine objektiv priesterliche Spiritualität mehr als positiv befruchtet. Durch die Zelebration dieser Form wird mir immer mehr bewusst, was der Priester ist und was meine Aufgaben sind. Der NOM muss, um dies ebenso zu bewirken sehr eng am VOM angelegt gefeiert werden. Ich kann mir seit ich mich mit der Materie beschäftigt habe, nur sehr schwer vorstellen, jemals z. B. die "Hochgebete für besondere Anliegen" auszuwählen, obgleich aprobiert, meine ich, eine andere Ekklesiologie dort zu spüren. Auch die Verwendung des II. Hochgebetes kommt sehr sehr selten vor; in der Regel ist es mir ein Bedürfnis den Canon Romanus auch als selbstverständlich im NOM zu wählen. Eigentlich ist es der Normalfall geworden.
Ich führe dies auf die Alte Messe zurück und auf den Wunsch des Hl. Vaters, dass die Riten sich gegenseitig befruchten sollen.
Und hier geht es zum ganzen Bericht.
S.E. Cardinal Cañizares bei der Zelebration des alten Ritus im Lateran.
Hoffnung auf eine Wiederbelebung des
Geistes der Liturgie
11. 7. 2010
Im Gespräch mit der Würzburger Tagespost hat der Präfekt der Gottedienstkongregation, S.E. Antonio Cardinal Cañizares Llovera, eine alles in allempositive Bilanz zu „3 Jahre Summorum Pontificum“ gezogen: Das Verständnis für die Liturgie in der Tradition der Kirche sei gewachsen, der Geist der Liturgie werde neu belebt.
Besondere Aufmerksamkeit wirdmete der Kardinal der Tatsache, daß inzwischen zwei französische Diözesen in ihren Seminaren die Priesteramtskandidaten in beiden Formen des römischen Ritus ausbilden. Die Priester, die regulär im Novus Ordo zelebrieren, forderte der Präfekt auf, sich wieder so auf die heilige Messe vorbereiten, wie es in der außerordentlichen Form vorgesehen ist.
Das ganze Interview können Sie hier lesen.
Kirche der Hl. Familie in Dayton
Aufbau in Übersee,
Abriss in Europa
9. 7. 2010
Zwei Ereignisse dieser Woche zeigen, wie unterschiedlich verschiedene Bereiche der Kirche auf die Wiederzulassung der überlieferten Liturgie durch Papst Benedikt reagieren. In Dayton, Ohio erhob Erzbischof Dennis Schnurr von Cincinnati die Kirche der Hl. Familie offiziell zur Pfarrkirche für die Gläubigen des alten Ritus. Geleitet wird die neue Personalpfarrei von Priestern der Petrusbruderschaft, die bereits bisher dort regelmäßig den gottesdienst feierten.
Die Schweizer Augustiner-Abtei von Saint-Maurice d'Agaune mußte demgegenüber bekannt geben, daß eines ihrer fähigsten und aktivsten Mitglieder, Kanoniker Yannick Escher (36) „überraschend“, wie es hieß, die Abtei verlassen habe. In einem Schreiben an Rorate Cæli begründete Eschen seinen Schritt damit, daß in der Abtei auch im dritten Jahr nach Erlass von Summorum Pontificum an eine Umsetzung dieser päpstlichen Gesetzgebung nicht zu denken sei.
Gleichzeitg teilte Eschen mit, daß er sich gegenwärtig in dem nur wenige Kilometer seines ehemaligen Konvents entfernt gelegenen Priesterseminar der Piusbruderschaft in Écône aufhält.
Aus der ersten Juli-Woche
summorum pontificum.de
8. 7. 2010
Zur 3-Jahres-Bilanz Bilanz gehört für uns natürlich auch ein Blick in die Statistiken unserer Website - hier hat sich in den lezten 12 Monaten einiges getan. Schon seit einem Vierteljahr sind wir „Millionär“ und für den heutigen Tag kommen wir auf eine Gesamtzahl von 1 386 805 Besuchen seit dem Start im Juni 2007. Besonders in den letzten Monaten haben wir schön zugelegt. Im ersten Halbjahr 2009 hatten wir täglich etwas mehr als 1000 Besuche - im Monat gut 35 000. Seit einigen Monaten sind es jetzt regelmäßig über 3000 am Tag und mehr als 110 000 im Monat. Dabei wissen wir natürlich nicht genau, wieviele Besucher diesen Besuchen entsprechen - wer mehrmals am Tag vorbeischaut, wird auch mehrmals gezählt, wenn mehr als 30 Minuten zwischen den einzelnen Visiten liegen.
Die Zusammensetzung unserer Besucher hat sich etwas verändert. Nach wie vor haben wir natürlich hauptsächlich Gäste aus den Deutsch sprechenden Ländern. Die Polen sind weniger geworden - die haben jetzt wohl genug eigene Seiten zum Thema. Die Nordamerikaner sind mit fast einem Drittel wesentlich stärker als früher vertreten; Spitzenreiter unter den nicht deutsch sprechenden Europäern sind Ungarn und Niederländer. Vatikan und Italien sind mit jeweils um 120 monatlichen Besuchern etwa gleich geblieben, die Chinesen (Festland, Taiwan und Hongkong zusammen) haben mit 550 im Monat enorm zugelegt. Insgesamt hatten wir in den ersten 6 Monaten Gäste aus 90 Ländern.
Die meisten Besucher (80%) schauen nur auf die erste Seite - dort läuft ja auch alles durch, was später hinten abgelegt wird. Von diesen hinteren Seiten waren in den vergangenen 6 Monaten die Nonnen im alten Ritus mit 1800 Abrufen Spitzenreiter noch vor dem Text des Motu Proprio mit 1700 Aufrufen.
Auf der Loggia von Castel Gandolfo
Drei Jahre Summorum Pontificum
7. 7. 2010
Als Präfekt der Glaubenskongregation beklagte Joseph Kardinal Ratzinger im Gespräch mit Peter Seewald 2000 das praktische Verbot der Form der Liturgie, die weit über ein Jahrtausend lang das Wesen der römischen Kirche ausgedrückt hatte: „Wer sich heute für den Fortbestand dieser Liturgie einsetzt oder an ihr teilnimmt, wird wie ein Aussätziger behandelt; hier endet jede Toleranz. Derlei hat es in der ganzen Geschichte nicht gegeben, man ächtet damit ja auch die ganze Vergangenheit der Kirche.“ Am 7. Juli 2007 erließ Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. das Motu Proprio Summorum Pontificum. Damit wurde die Feier der hl. Messe nach dem überlieferten Ritus für alle Priester rechtlich und mit höchster Autorität freigegeben
Seitdem hat sich die Situation der Katholiken, „die sich der außerordentlichen Form der Liturgie verbunden fühlen“ - so die einigermaßen gewundene Sprachregelung – in vielen Teilen der Welt spürbar verbessert. Dafür danken wir dem Heiligen Vater von ganzem Herzen. Der Herr schenke ihm Gesundheit und noch viele Jahre für seine Arbeit des Wiederaufbaus im „verwüsteten Weinberg“ (Dietrich v. Hildebrandt).
In Deutschland läßt sich die Verbesserung der Lage an folgenden Zahlen ablesen: Im Jahr 2005 gab es in 10 (von 28) deutschen Bistümern all-sonntägliche Messen im alten Ritus, die in voller Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom gefeiert wurden. Bis zum Jahr 2010 ist diese Zahl auf 54 Sonntagsmessen 23 Diözesen gestiegen. Damit kann – von einigen Ausnahmen in weitgespannten Diasporaregionen abgesehen – fast jeder, der das möchte, seine Sonntagspflicht regelmäßig durch die Teilnahme an der hl. Messe nach der überlieferten Ordnung erfüllen. Das ist eine große Erleichterung für alle, in deren Wohngemeinden oder im näheren Umfeld nur Gottesdienste mit haarsträubenden liturgischen Missbräuchen oder häretisierenden Predigten erreichbar sind. Allerdings finden viele dieser 54 Sonntagsmessen an schwer erreichbaren Orten oder zu ungünstigen Zeiten statt, die besonders Familien mit Kindern die Teilnahme schwer machen; hier sind weiterhin dringend Verbesserungen notwendig.
Zusätzlich bietet die Piusbruderschaft in 19 deutschen Bistümern 64 regelmäßige Sonntagsmessen an, einige davon auch in Gebieten, in denen kein in voller Gemeinschaft mit dem Papst stehender Priester erreichbar ist. Nach Schreiben der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei vom 27. September 2002 und 18. Januar 2003 können Katholiken ihre Sonntagspflicht auch durch Teilnahme an diesen Messen erfüllen, soweit sie sich damit nicht ausdrücklich gegen die Gemeinschaft mit dem Papst wenden wollen.
Der Hinweis auf die Messen bei der SSPX erscheint notwendig: Die Bereitschaft vieler Bischöfe, Summorum Pontificum zu befolgen und Messen nach dem alten Ritus zu ermöglichen, steigt erfahrungsgemäß, wenn ein Messzentrum der Bruderschaft in der Region aktiv ist. Denn über eines kann die den Zahlen nach recht erfreuliche Entwicklung nicht hinwegtäuschen: Vielerorts bleiben Bischöfe und die Ordinariatsmächtigen dabei, die Anhänglichkeit an den alten Ritus als eine Art Aussatz, eine ansteckende Krankheit zu betrachten, deren Ausbreitung auf jeden Fall eingedämmt werden muß. Mit zahllosen kleinen Bosheiten und großen Schikanen wird auf allen Ebenen von der Pfarrei bis zum Bistum versucht, die Gesetzgebung des Papstes zu unterlaufen.
Von daher können wir die oben mitgeteilten Zahlen – sie wurden von Peter Karl T. Perkins anhand Wikimissa ermittelt und auf Rorate.caeli veröffentlicht – auch nur unter Vorbehalt betrachten: Uns sind mehrfach Fälle bekannt geworden, wonach Ordinariate – im klaren Widerspruch zu den Vorgaben von Summorum Pontificum - „alte Messen“ nur unter der Bedingung gestatteten, daß keinerlei Werbung erfolgte. Tatsächlich sind wir in einem Fall sogar gebeten worden, einen Hinweis auf eine uns bekannt gewordene Messe wieder zu streichen, weil der Veranstalter von jeder Veröffentlichung einen Widerruf der widerstrebend erteilten Genehmigung befürchtete.
Die Gründe für die unvermindert starke Ablehnung der überlieferten Liturgie hat Papst Benedikt in seiner Weihnachtsansprache an die Kurie 2005 auf den Begriff gebracht: Das 2. Vatikanische Konzil wird nicht nur in Deutschland überwiegend in einer „Hermeneutik des Bruches“ gelesen und faktisch zur Geburtsstunde einer neuen Kirche erklärt, die sich endlich von den Irrtümern und Verfehlungen ihrer 2000-jährigen Geschichte zu emanzipieren beginne. Wenn man diesen Weg entschlossen fortsetzen will – wie mehrere deutsche Bischöfe mit ihren Forderungen nach „unbelasteter Diskussion“ über den Zölibat, ein „Frauendiakonat“, ein „neues Priesterbild“ usw. gerade in den letzten Wochen bekundet haben – ist die vom Papst gewünschte und in Summorum Pontificum als Gesetz verkündete stärkere Rückbindung an die Tradition natürlich nicht akzeptabel. So ist es auch immer wieder aus den theologischen Fakultäten zu hören – wäjhrend andererseits unter jüngeren Priestern und Priesteramtskandidaten die Offenheit gegenüber der traditionellen Lehre und Liturgie zunimmt.
Summorum Pontificum ist dadurch – zumindest in Deutschland – ein Zeichen geworden, an dem sich die Geister scheiden. Die weitgehende Freigabe der alten Liturgie hat dennoch keine Spaltung herbeigeführt oder vertieft – eher im Gegenteil: Viele Katholiken, die in der von einer modernistischen Mehrheit dominierten „Deutschen Nationalkirche“ kaum noch eine Perspektive für sich sehen konnten, wurden durch das Motu Proprio in ihrem Willen bestärkt, an der Einheit mit dem Papst festzuhalten. Auf gesamtkirchlicher Ebene kommt diese Wirkung von Summorum Pontificum in der Aufnahme der Gespräche zwischen der Piusbruderschaft und der Glaubenskongregation zum Ausdruck. Das Verlangen nach Einheit wird gestärkt.
Auf der anderen Seite sind durch die verstärkte Präsenz der überlieferten Liturgie und das wiederhergestellte Selbstbewußtsein der Gläubigen, die an der Tradition festhalten wollen, die tiefgehenden Spaltungen der vergangenen Jahrzehnte deutlicher sichtbar geworden. Dabei wurde erkennbar, daß viele Priester, Theologen und Laien, die ständig von der Notwendigkeit zur „Anerkennung des Konzils“ sprechen, von dem, was dieses Konzil bedeutet, offenbar eine ganz andere Vorstellung haben als der Papst - und daß sie seine Autorität immer weniger anerkennen. Hier zeichnen sich für die Zukunft schwere Auseinandersetzungen ab, bei denen die unterschiedlichen Auffassungen über die Formen der Liturgie nur der Ausdruck tiefer gehender Unterschiede in den Inhalten des Glaubens sind.
Die bisherige Wirkungsgeschichte von Summorum Pontificum zeigt überdies, daß die Verwurzelung der Gläubigen in der Tradition, die fast zweitausend Jahre lang die Kirche Christi geprägt und durch die Zeit geleitet hat, sehr schwach geworden ist. Vielfach ist jede tiefere Kenntnis dieser Tradition ausgelöscht oder durch Zerrbilder ersetzt. Auch wenn wir uns das vor drei Jahren vielleicht anders gewünscht und vorgestellt haben, müssen wir doch heute einsehen: Die meisten, die überhaupt noch Gottesdienste besuchen, haben nicht darauf gewartet, daß ihnen Summorum Pontificum wieder einen freien Zugang zu den Schätzen der liturgischen Tradition erschließt – sie wurden in einem Geist erzogen, der jede Tradition geringschätzt. In vielen Gemeinden drängt sich der Eindruck auf, daß besonders schlimme liturgische Mißstände gar nicht auf den jeweiligen „Vorsteher“ zurückgehen, sondern auf das Verlangen von Gemeindegruppen oder einzelnen Mitgliedern, deren Verständnis von Liturgie weitgehend von säkularen Ideen geprägt ist. Der Gottesdienst wird zur Selbstverwirklichungsfeier der Gemeinde.
Das heißt: Es wird in absehbarer Zeit keine breite Rückkehr zur traditionellen Liturgie und noch nicht einmal eine tiefer gehende „Reform der Reform“ geben. Es wird schon sehr schwer fallen und viel Zeit und Kraft brauchen, die schlimmen Mißstände abzumildern, die sich in den letzten Jahrzehnten trotz aller päpstlichen Ermahnungen durch Dokumente wie Ecclesia de Eucharistia oder Redemptionis Sacramentum eingefressen haben. Selbst das wird nicht überall gelingen, wenn man betrachtet, wie weit sich viele Gemeinden samt ihrer Hirten schon von „denen in Rom“ entfernt haben.
Für alle, denen die überlieferte Liturgie ebenso am Herzen liegt wie die Einheit mit Petrus und die wissen, daß die Einheit im Glauben auch die Einheit im Glauben mit denen bedeutet, die uns in den vergangenen Jahrhunderten vorangegangen sind, bietet Summorum Pontificum starken Grund zur Zuversicht: Die Römische Kirche insgesamt wird sich nicht von ihrer in Christus begründeten Lehre und Tradition losreißen lassen. Aber diese Tradition ist in unserer Zeit kein Geschenk, das uns gnädig in den Schoß gelegt wird, sondern ein Schatz, der erkämpft und verteidigt werden will.
Erste Voraussetzung dafür ist die Wiederaneignung und die Verbreitung der Kenntnis von dieser Tradition – wir wollen versuchen, im Rahmen unserer Kräfte dazu künftig verstärkt beizutragen. Im Übrigen wollen wir die drei Monate bis zum Jahrestag des tatsächlichen Inkrafttretens von Summorum Pontificum im September dazu nutzen, unsere eigene Bilanz der vergangenen drei Jahre zu ziehen.
Kardinal Cañizares bei der Weihe in Wigratzbad
Priesterweihe bei der FSSP
in Wigratzbad
5. 7. 2010
Am Samstag, den 3. Juni, konnte die Petrusbruderschaft in ihrem Seminar in Wigratzbad fünf Priester zur Weihe führen. Zwei davon kommen aus Deutschland: P. Gerald Gesch und P. Jérôme Bücker, drei aus Frankreich. Zur Weihe war in diesem jahr der Präfekt der Gottesdienstkongregation, S. E. Antonio Cardinal Cañizares Llovera, aus Rom angereist.
Auf Gloria TV ist bereits ein Video (68 min) zur Weihe erschienen, dem wir auch unser Bild entnommen haben. Sehr schöne Photos gibt es auf Nowy Ruch Liturgiczny.
Erzbischof Burke bei der Priesterweihe in Florenz
Weihetag beim Institut Christus König und Hoher Priester
4. 7. 2010
Eine bemerkenswerte Reihe von Weihen feierte das Institut Christus König und hoher Priester in den letzten Junitagen: In der Kirche des Instituts in Gricigliano wurden am 28. Juni 12 junge Männer für das Institut eingekleidet bzw. empfingen die ersten niederen Weihen. Offiziant war an diesem Tag Weihbischof Athanasius Schneider von Karaganda.
Am 30 Juni spendete dann Bischof Cordileone von Oakland fünf Alumnen in der Kirche San Michele e Gaetano in Florenz die Weihe zum Subdiakonat bzw. zum Diakonat. Am gleichen Tag erteilte Erzbischof Burke, Präfekt der Signatura in Rom, drei Männern die Priesterweihe. Bei dieser Zeremonie waren alle drei Bischöfe anwesend.
Auf der Webseite des Instituts gibt es drei umfangreiche Bilderserien.
Joseph Ludwig ColmarBild: Wikipedia
Vortrag von Prof. May
2. 7. 2010
Am kommenden Sonntag spricht Prof. Dr. Georg May in Mainz auf Einladung des Thomas-Morus Kreises über Joseph Ludwig Colmar, den ersten Bischof von Mainz nach Aufhebung des Kurfürstentums. Colmar hat sich in seiner Amtszeit nicht nur erfolgreich für die Rettung der Dome von Mainz und Speyer eingesetzt, die von der siegreichen Revolution bereits zum Abriss bestimmt worden waren. Er leistete auch großes für die Priesterausbildung und führte selbst ein heiligmäßiges Leben - gut geeignet als Vorbild in einer Zeit, in der die Kirche durch die Skandale um pflicht- und Gottfvergessene Priester und Bischöfe erschüttert wird.
Ort: Pfarrheim der Pfarrei St. Joseph in Mainz, Josefsstr.74.
Eingang Raimundistraße hinter der Kirche!
Weitere Informationen unter 06134-230285
Zeit: Sonntag, 04. Juli 2010 15.00 Uhr
Prälat Winter bei der Zelebration
Bitte um Ihr Gebet
1. 7. 2010
In diesen Tagen meldete die Fuldaer Zeitung, daß Einbrecher bei der Durchsuchung seines Hauses einen 78-jährigen katholischen Priester angegriffen und so schwer am Kopf verletzt haben, daß er immer noch in Lebensgefahr schwebt. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Rektor der kirchlichen Hochschule Fulda, Prof. Dr. Aloysius Winter, einen der wenigen Priester im Bistum, die es auf sich nehmen, getreu dem Motu Proprio des Papstes und trotz des Mobbings durch viele "Mitbrüder" die hl. Messe im überlieferten Ritus zu zelebrieren.
Wir bitten um Ihr Gebet.
Archiv:
Jeweils in den ersten Tagen eines Monats werden die Meldungen des vor-vorhergehenden Monats ins Archiv verschoben. Es ist also immer mindestens ein kompletter Monat auf dieser Eingangsseite verfügbar.
2010
Januar Februar März April Mai Juni
2009
Januar Februar März April MaiJuni Juli August September Oktober November Dezember
2008
Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
